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Texte über Manù Hophan von Paul Parin und Agathe Blaser befinden sich unten auf der Seite.

Aus dem Jahr 2008 stammt diese kommentierte Bilderserie zu meinem künstlerischen Werdegang, die ich anlässlich meiner Ausstellung in Esfahan (Iran) zeigte.

Manù Hophan

mhophan[at]manuseum.ch

1956 in Chur GR geboren

Lebt seit 1984 in Zürich. Seit 1990 Reisen mit dem Konzept «Das Atelier im Koffer», in Nigeria, Eritrea, Rom, Shanghai, dem Kreis 4 in Zürich und New York.

Schwerpunkte sind Ölbilder, Pastellzeichnungen, Leuchtobjekte und Keramik, daneben animierte Zeichenfilme (Flash-Haikus).

1977–79 Ausbildung am deutschen Institut für Puppenspiel, Bochum
1982–84 Bühnenbild-Studium an der Hochschule der Künste, Berlin
1987–89 Besuch der F+F-Schule, Zürich
1990 Gastdozentin an der Universität von Maiduguri, Department of Creative Arts (Nigeria)

Ausstellungen

1983/84/86 Galerie Walcheturm, Zürich
1985 Jurierte Weihnachtsausstellung, Zürich
1988/90/92 Galerie Ursula Wiedenkeller, Zürich
1989/92 Kunsthaus Örlikon, Zürich
1991 Kulturzentrum Utopia, Innsbruck, Galerie Trip, Luzern
1994 Galerie Goldenes Kalb, Aarau
1998 Kunstverein Steffisburg, Bern
1999 Galerie Severina Teucher, Zürich
2001 Galerie Celeste und Eliot (Bonustrack), Zürich (mit Marco Morgenthaler)
2002 Galerie m.o.d.o., Winterthur (mit Marco Morgenthaler)
— Max Frisch Bad Museum, Zürich (mit Andreas Dobler, Dominique Lieb, Martin Senn)
2003 Kunstverein Schallstadt, Freiburg im Breisgau
2005 Helmhaus Zürich, «Lokale Aufhellungen» (Gruppenausstellung)
— Shedhalle Zürich, «Raum für Räume» (Gruppenausstellung)
2006 Museum of Contemporary Art, Esfahan, «Swiss Transit Esfahan – Visual» (Gruppenausstellung)
2008 galerie sylva denzler, Zürich, «Variationen»
— Galerie Oxyd, Winterthur (Gruppenausstellung)
— Galerie Baviera, Zürich, «Aussersihl», Gruppenausstellung
2009 Bühnenbild zum «Sturm» von William Shakespeare, Maxim Theater, Zürich
2010 galerie sylva denzler, Zürich, «Stadtrand»
2011 Kunstkiosk, Galerie Oxyd, Winterthur
2013 «farbenflug» bei galerie sylva denzler, Zürich
— «Schrödingers Katze», Visarte Zürich
2015 «Arche, Barke, Schiff und Boot», Galerie Oxyd, Winterthur (Gruppenausstellung)
— «Der Kontinent Morgenthaler», Kunstmuseum Thun (Gruppenausstellung)
2016 Frauenpower, Artdock Zürich (Gruppenausstellung)
— Stipendienausstellung der Stadt Zürich im Helmhaus
2017 Artbox, Thalwil
— Landesmuseum Zürich, «Rebel Video» (Gruppenausstellung)
— Haus Konstruktiv, Zürich, Ankäufe der Stadt Zürich (Gruppenausstellung)

1983–2003 Ankäufe der Stadt Zürich

Publikationen

1998 Katalog, unterstützt von der Cassinelli Vogel Stiftung und der Erziehungsdirektion
des Kantons Glarus
2002 «Katzenkonzil», 16 Tuschezeichnungen mit 3 Erzählungen von Paul Parin (EVA, Hamburg)
2008 Katalog, unterstützt von der Erziehungsdirektion des Kantons Glarus

 

Texte über Manù Hophan

 

Paul Parin

Werkzeug, Material – Bewegung

Der Künstler im Dogondorf Sanga konnte ­keine Statuette mehr schnitzen. Sein Schleifstein war verloren. Er musste warten, bis sein Freund, der Fischer, aus der Tiefe des Nigerflusses den richtigen Stein herausgezogen hatte, mit dem der Schnitzer die eiserne Schneide schärfen würde. Nur so gelingt eine Figur, in der die Seele des Ahnherrn wohnen mag. Nur mit dem einzig richtigen Werkzeug entsteht das Kunstwerk.

Der Mann, der an der Brücke über den ­Sassan­drafluss in der Elfenbeinküste einst die ­schönen Frauengestalten aus gebrannter Ton­erde feilhielt, hatte dieses Jahr keine geformt. Die Trockenzeit hatte die Quelle zum Versiegen gebracht, mit deren Wasser allein der Ton so ­geknetet werden kann, «dass meine Hände den Frauen die zärtlichen Formen, les formes tendres, geben, die du so bewunderst». Liegt es am richtigen Material, ob ein Kunstwerk gelingt, oder ist es nur in Afrika so?

Die Batiktüchlein, die unsere Freundin in Lombok, der Zwillingsinsel von Bali, für uns fertigen wollte, sind diesmal misslungen, statt der wundervoll leuchtenden Farben nur blässliche Schlieren. Die Kräuterfrau, die aus Blüten und Rinden von den Hängen des Vulkans farbige Tinkturen presst, war von ihrer Pilgerfahrt nach Mekka nicht zurückgekehrt. Es ist, so dachte ich, doch nur das echte Material an diesem einen Ort, aus dem die Künstlerin den Zauber der Farben gestalten kann.

Wie verhält es sich bei Manù? In einem ­Laden im Zürcher Dörfli ist alles zu haben, Werkzeug, Pinsel, Spachteln, Papiere und Leinwand aus ­aller Welt, ist Material, sind Kreiden, Aquarell- und Ölfarben aller Zeiten zu kaufen. Wie wählt sie die richtigen Stifte und Pinsel?

Diese Gegenstände sind nicht ihr Werkzeug; das ist allein ihr Blick. Ihr Material, das ist nicht Papier, Leinwand und Farbe. Das sind die Menschen, die sie zeichnet und malt. Wenn ihr Blick stumpf werden könnte an den vielen Matt­scheiben, den spiegelnden Vitrinen, den glatten Fassaden, schärft sie ihn am Anblick fremder Welten. Das andere Licht, jedes neue Land macht die Augen wieder frisch. Jedes Antlitz, dem sie begegnet, verändert ihren Blick; der veränderte Blick macht aus den Objekten ihrer Bilder das Material, das sie gestaltet. Ein fremd­artiges Antlitz wird uns vertraut, der Blick verrät sein Geheimnis; die Farben entstehen in steter Veränderung. Schon ist sie an einem anderen Ort und wird bewegt von dem, was sie sieht. Wir staunen, wie mühelos sie sich weiterbewegt. Oder ist sie bereits eine andere geworden und wir müssen ihr folgen, weil ihre Bilder uns mitziehen?

Ganz anders als bei den Künstlern der Tropen ist Manùs Kunst Bewegung. Noch in der stillstehenden Gestalt, im ruhigsten nach innen ­gekehrten Ausdruck nehmen wir die Bewegung wahr. Manùs Kunst ist Bild gewordener Tanz.

Paul Parin (aus: Katalog Manù Hophan, 1998)

 

Agathe Blaser

Kein willentlicher Akt – im Atelier von Manù

Der helle Raum in einem Dachstock von Zürich Kreis vier gehörte früher zu einer Druckerei. Deren Lehrling zog sich manchmal hierhin zu einem unbemerkten Schläfchen zurück. Ein Refugium zum Träumen ist der Raum geblieben oder erst recht geworden, als Manù ihn als Atelier übernahm. Ein Edelpunk war sie damals, vor 22 Jahren, mit einer Frisur aus abstehenden Zöpfchen und einem selbst genähten, mit feinen Pinselstrichen bemalten Kleid. Der Vermieter war beim Vorstellungsgespräch von ihrer Erscheinung ebenso befremdet wie sie von seinem Innerschweizer Chalet mit Schweizer Flagge und Schäferhund. Als sich aber herausstellte, dass der Mann in seinem Schlafzimmer ein Bild von Ernst Morgenthaler hatte, dem Grossvater von Manùs Lebensgefährten Marco, ging im Chalet die Sonne auf.

Manù begann ihr neues Atelier einzurichten, strich Wände, Balken und Boden weiss, sodass der Raum mit den schrägen Fenstern zum Himmel noch lichter wurde, und auf der grossen Dachterrasse nebenan pflanzte sie Bäume, Büsche und Blumen, einheimische und exotische durcheinander. In mehr als neunzig Töpfen wachsen sie heute. Manù zeigt es mir auf einem Plan, den sie mal für den Gärtner zum Erstellen einer Bewässerungsanlage skizzierte. Der Gartenschlauch sieht auf der Zeichnung aus wie Girlandenschmuck und die Tische wie kleine Swimmingpools.

Atelier und Garten gehören für Manù zusammen. Ihr gefällt das ungeregelte Wachsen und Florieren der Pflanzen, die Vielfalt ihrer Farben und Formen, die immer wieder anders wirken je nach Tageslicht und Jahreszeit. Dies mit anzusehen ist entspannend und schärft zugleich den Blick für die Malerei. Malerei? Manù mag sich nicht auf diese eine Disziplin beschränken. So wie sie am liebsten überall in ihrem Atelier arbeitet – am Tisch, an der Staffelei, am Computer und am Boden – so wechselt sie auch leichthin von einem Medium zum andern. Befangenheit wird dabei spielerisch überwunden, Lowtech verwandelt sich unerwartet in Hightech und Ruhiges gerät in Bewegung. Von Hand bemalte Blätter, die ein Sujet aus unterschiedlichen Blickrichtungen variieren, entwickeln sich weiter zu dreidimensionalen Arrangements, Fotosequenzen, Computergrafik und kleinen Trickfilmen.

Die wolfsartigen Schlittenhunde etwa, die Manù bei einer winterlichen Wanderung auf der Gemmi angetroffen hatte, malte sie zunächst auf Pappkarton und drapierte sie zu einer kleinen Bühnenszene. Diese lichtete sie dann ab, übertrug die digitalen Bilder in den Computer und bearbeitete sie dort weiter, bis daraus ein Trickfilm für das Manùseum wurde. Manùseum? Wer den Begriff bei Google eingibt, erhält als Antwort die Frage: «Meinten Sie: museum» und findet den Link zu Manùs virtuellem Museum zuoberst auf einer Liste aller Museen der Welt. Naja, das ist jetzt vielleicht ein wenig übertrieben.

Manù erzählt mir, wie sie ursprünglich Bühnenbildnerin werden wollte, aber keine exakten Modelle herzustellen wusste. Ihre Kolleginnen und Kollegen lachten sich schief und der Dozent machte sie zur Schnecke, weil sie damals eine regelrechte «Antibastlerin» gewesen sei. Sie, die so gern herumpröbelt! Das Interesse, Räume zu gestalten, liess sie jedoch nicht los. Fortan sollte sie es nicht mehr in den Dienst eines Regisseurs, sondern ihrer eigenen Projekte stellen. Heute taucht es nicht nur beim Manùseum sondern auch sonst in vielen ihrer Arbeiten wieder auf. Nach wie vor würde sich Manù aber nicht als handwerklich geschickt bezeichnen. Es ist eine andere Art Genauigkeit, die sie interessiert: Klarheit zu gewinnen, weshalb sie etwas fasziniert, und zugleich eine adäquate Form zu finden – das Faszinierende fokussieren, verdichten und auf den Punkt bringen.

Das ist meist ein langwieriger Prozess, über den sie möglichst mit niemandem spricht, damit der Elan nicht vorzeitig auf einer anderen Ebene verpufft. Es gibt Bilder, bei denen sie im Nachhinein nicht mehr weiss, wie sie das hinkriegte. Das Bild mit den Vari zum Beispiel, das ein Leitmotiv ihrer jüngsten Ausstellung ist, entstand nach einem mühsamen, ziemlich missglückten Nachmittag. Manù wollte einem Kind aus Wien etwas in Zürich bieten, doch das Kind langweilte sich und machte nur aus Höflichkeit mit. Das Hallenbad, wo sie gerne hingegangen wären, war geschlossen und so landeten sie im Zoo, im tropischen Regenwald der Masoala-Halle. Dort turnten die Halbäffchen aus Madagaskar zwar lustig in den Bäumen herum und sahen dabei aus, als hätten sie Pullöverchen und Handschuhe an, aber das Kind langweilte sich noch immer – schliesslich kehrten sie genervt nach Hause zurück.

Anstatt sich zu ärgern oder herumzuschimpfen, begab sich Manù in ihr Atelier und nahm eines der Magnolienbilder hervor, an denen sie seit langem malte und die ihr immer unfertig vorkamen. Nun brauchte sie nur noch die zwei Vari ins Bild zu setzen, und alles war richtig. Es war wie ein Geschenk – kein willentlicher Akt –, plötzlich stimmten die Umstände, sie brauchte den Einfall nur noch am Schopf zu ergreifen.

Agathe Blaser (aus: Katalog Manù Hophan, 2008)